Geschichte & Profil

Geschichte

Vorgeschichte bis zur Gründung 1802

Am Ende des 18. Jahrhunderts ließ Reichsgraf Friedrich Julius Heinrich von Soden (1754–1831) den Gebäudekomplex am Schillerplatz zum Theater umbauen. Durch Gebäude- bzw. Besitzzusammenlegungen im 17. Jh. entstanden am Schillerplatz der Ursprung des Theatergebäudes und der Harmoniegarten.

Im 18. Jahrhundert erwarb Domkapitular Jobst Bernhard von Aufsess (1671–1738) diese Besitzansammlungen. Der Kaufmann Ignaz Kaspar Fexer kaufte die Güter im Zinkenwörth und machte daraus ein „Gesellschaftshaus“. Das waren bürgerliche Versammlungsstätten, meist mit Restauration, Gartenanlage und Vergnügungsmöglichkeiten. Ein „Ressourcesaal“ für 130 Personen entstand, mit Kronleuchtern, Spiegeln und Spieltischen. Dauermieter wurde Dr. Adalbert Friedrich Marcus, der 1791 den Club gegründet hatte.

Theatergründung 1802 bis 1813

Diesen Komplex übernahm Reichsgraf von Soden im April 1802 und baute ihn zum Theater um: am 3. und 4. Oktober 1802 fand die Eröffnung des Bamberger Theaters als „Hochfürstlich privilegierte Schaubühne zu Bamberg“ durch Reichsgraf Julius von Soden und Theaterdirektor Gottlieb Daniel Quandt (1762–1815) statt. Das Bamberger Theater hatte als eines der ersten Theater ein eigenes festes Ensemble. Es gab Plätze für 500 Zuschauer im Parkett und auf zwei Rängen sowie eine relativ kleine Bühne. 

1808 wurde durch einen Ball der Bamberger „Gesellschaft der Honoratioren“ ein neu gebautes Theatergebäude am Schillerplatz eröffnet, welches auch heute noch als Kernstück des modernen Theaters steht. Das erste dort gespielte Stück war E.T.A. Hoffmanns Allegorie „Das Gelübde“ am 16. Oktober 1808.

Ebenfalls 1808 kommt E.T.A. Hoffmann als musikalischer Leiter an das Bamberger Theater. Er blieb bis 1813 in der Stadt und unter den wechselnden Leitungen mehr oder weniger eng dem Theater verbunden: Ursprünglich als Kapellmeister engagiert, dirigierte er effektiv nur eine Oper. Vermutlich durch interne Streitigkeiten bedingt (das Theater besaß bereits einen anderen Kapellmeister), blieb er in anderen Anstellungen dem Theater für einige Jahre erhalten, so als Dramaturg, Kartenabreißer oder Kulissenmaler. Unter anderem für die Deutsche Erstaufführung des „Käthchens von Heilbronn“ 1811 zeichnete er für die Kulissen verantwortlich.

Der Wiener Theaterdichter Franz von Holbein übernahm 1810 die Theaterleitung und führte das Theater zu einer ersten Hochzeit. So wurde beispielsweise Calderón de la Barca in dieser Zeit für das deutsche Theater entdeckt. Schon 1812 allerdings kehrte auch Holbein Bamberg den Rücken und übernahm das Theater in Würzburg.

Ab 1813 bis 1999

In den folgenden rund 150 Jahren überstand das Theater zahlreiche, meist durch finanzielle Schwierigkeiten bedingte Wechsel der Leitungen und Trägerschaften (private Vereine), bis es unter den Nationalsozialisten ganz geschlossen wurde. Während des Kriegs lag das Theaterleben in Bamberg brach. Nach Kriegsende wurde das Gebäude als Flüchtlingslager genutzt. Das kleine Schauspielensemble spielte in dieser Zeit in Ausweichspielstätten wie z.B. in der Fischerei-Turnhalle und im Weyermannsaal. Erst 1959 konnte das Theater nach aufwändigen Renovierungsarbeiten in seiner jetzigen Form – ab 1970 unter dem Namen „E.T.A.-Hoffmann-Theater“ – als reines Schauspieltheater mit musikalischen Gastspielen wiedereröffnet werden.

Ab 1970 übernahm die Stadt Bamberg das Theater in Eigenregie und erwarb damit Anwesen und Institution. Das Theater war nun Stadttheater. Seit 1973 fanden, erstmals anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Stadt Bamberg, alljährlich im Sommer die Calderón-Spiele in der Alten Hofhaltung als Freilichtaufführungen des Ensembles des E.T.A.-Hoffmann-Theaters statt. Mit Beginn der Spielzeit 1989/1990 wurde Rainer Lewandowski Intendant des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Er eröffnete das Studio am Markusplatz. 1997 wurde ein Wettbewerb zur Theatersanierung ausgeschrieben, dessen Gewinner der Architekt Klaus Springer aus Hannover war. 1999 begannen die umfangreichen Sanierungen.

2003 bis 2015

Mit der Wiedereröffnung des Hauses nach seiner Sanierung und Erweiterung kamen im Oktober 2003 zum Großen Haus mit gut 400 Plätzen und dem Studio mit zirka 100 Plätzen das Gewölbe mit etwa 60 Plätzen und der Treff hinzu, der seit der Spielzeit 2015/16 als Theaterbar dient.

2015

Seit der Spielzeit 2015/16 leitet Sibylle Broll-Pape als erste Frau das „ETA Hoffmann Theater Bamberg“. Mit ihr arbeiten ein festes Ensemble aus 16 Schauspielerinnen und Schauspielern zusammen.

Profil

Das ETA Hoffmann Theater ist das Stadttheater im Herzen von Bamberg. Neben den Bamberger Symphonikern, der Villa Concordia, den zahlreichen Museen sowie der vielfältigen freien Kulturszene gehört es zu den prägenden Kulturträgern der Stadt. Mit seinem Anspruch, gesamt-gesellschaftliche Impulse zu setzen, will das ETA Hoffmann Theater die zunehmende Vielfalt und Komplexität im gesellschaftlichen Leben und die damit bei einem wachsenden Teil der Bevölkerung einhergehende Unsicherheit und Desorientierung reflektieren und adaptieren. Nur so kann es seinem umfassenden Bildungsauftrag gerecht werden, seinem Auftrag der ästhetischen Bildung und den Erwartungen seitens der Bürgerinnen und Bürger an das Theater, Ort der künstlerischen Reflexion, Orientierung und Sinnstiftung zu sein.

Fotos: © Sonja Krebs

Das ETA Hoffmann Theater versteht sich als Theater für die Stadt von, in und mit der Stadt Bamberg. Es will Mittelpunkt des lebendigen, kulturellen Austauschs zwischen den Institutionen, Künstlern und Bürgern der Stadt sein. Als Ort gesellschaftlicher Teilhabe bietet es „Kultur für alle“, lädt ein zum Mittun, Schauen, Diskutieren, Feiern, und dazu, sich als ein Teil des Gesamten zu begreifen. Das Theater will nicht nur innerhalb seiner „Mauern“ erlebbar sein, sondern auch in Fußgängerzonen, Schulen, Universitäten, Kirchen, Sportplätzen sein.

Das ETA Hoffmann Theater befragt den klassischen Dramenkanon auf Gegenwarts-Standpunkte und fördert das zeitgenössische Drama durch Realisierung von Erstaufführungen und Vergabe von Stückaufträgen für das Bamberger Ensemble. Es präsentiert junge Regisseure und moderne Regiehandschriften und trägt so zur überregionalen Strahlkraft der Weltkulturerbestadt Bamberg bei. Dabei setzt das Theater auf ein festes Ensemble von Schauspieler*innen- und Dramaturg*innen, das diese Vision teilt und seine Umsetzung tatkräftig unterstützt. Der Repertoirebetrieb seit der Spielzeit 2015/16 ermöglicht es, eine große Vielfalt im Spielplan zu repräsentieren: neben unterhaltenden, leicht zugänglichen Stoffen können auch welthaltige, sehr komplexe und für den Diskurs einer Stadtgemeinschaft wichtige Stücke und Ansätze durch eine umsichtige Ansetzung dem Publikum über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stehen.