Konstantin Küspert

Der Westen (AT)

Uraufführung

Premiere | Fr 25.05.18 | Studio

  • Fr 25.05.18. | Studio

„Den Westen“ könnte es bald nicht mehr geben? Was vor kurzem noch undenkbar war, es scheint nun möglich. Die westliche Welt war bestimmt durch das atlantische Bündnis, das sich im Ersten Weltkrieg herausgebildet hatte, im Zweiten Weltkrieg zu globaler Lebensnotwendigkeit wurde und im Kalten Krieg aus der Abgrenzung zum „bösen“ sozialistischen Osten seine Existenzberechtigung schöpfte. Der Westen als geopolitische Himmelsrichtung beherrscht den Globus bis in die Gegenwart hinein. Er gründet auf einer gemeinsamen, von den USA garantierten transatlantischen Sicherheit und auf geteilten politischen und gesellschaftlich-kulturellen Werten wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft. Es gibt den Westen nicht ohne Europa und es gibt ihn nicht ohne Nordamerika. Der drohende Zerfall der EU als Friedens- und Wertebündnis, die nationalistischen Strömungen in Europa und nicht zuletzt die Abkehr der USA von der westlichen Gemeinschaft werden die Machtverhältnisse auf dem Globus verändern. Er wird sich weiterdrehen. Vielleicht rückt das Zentrum nach Russland oder nach China, als dem unfreiwilligen neuen Garanten für den freien Welthandel und den globalen Klimaschutz, von Amerika dazu gedrängt? „Go West“ war ein Traum von unbegrenzter Freiheit, unerschöpflichen Möglichkeiten, die Sonne im Rücken durch weites Land dem Abend entgegen. Wendet man den Blick um auf der Kugel, nach Osten zum Sonnenaufgang, sieht man am Horizont vielleicht wieder die Tracks gen Westen ziehen.

Der erfolgreiche Dramatiker Konstantin Küspert schreibt nach „rechtes denken“ und „europa verteidigen“ (eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen „Stücke 2017“) zum dritten Mal ein Stück für das Bamberger Ensemble und entführt uns auf eine eigenwillige Reise nach Westen.

Regie Sibylle Broll-Pape
Bühne und Kostüme Trixy Royeck
Video Manuela Hartel
Dramaturgie Remsi Al Khalisi