Sibylle Berg

Viel gut essen

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, ohne dafür gleich in eine bestimmte Ecke gesteckt zu werden, politisch. So die einhellige Meinung am Stammtisch? Er hat keinen Krieg erfahren, lebt in Europa, ist nicht besonders auffällig, aber dank täglicher Sit-ups gut in Form. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Als Alleinverdiener ist seine Familie von ihm abhängig. Das gibt ihm ein gutes Gefühl, seinem Leben einen Sinn. Das Leben eines glücklichen deutschen Mittelschichtbürgers. Doch plötzlich möchte seine Frau sich selbst verwirklichen und in der Nachbarschaft wohnen neuerdings Menschen mit anderem Bildungshintergrund, homosexuelle Paare und sogar Ausländer. Ihm wird der Mietvertrag gekündigt, weil an gleicher Stelle ein Asylantenheim gebaut werden soll und er wird auch noch entlassen, nach siebzehn Jahren. Was kann man als Mittvierzigjähriger jetzt noch machen, außer in einer nicht abbezahlten Küche zu kochen? Und sich aufzuregen. Über die ganzen Ungerechtigkeiten dieser Welt, über die Hipster, Künstler, Veganer, Ausländer und Feministinnen. SCHLIESSLICH WIRD MAN JA WOHL NOCH WAS SAGEN DÜRFEN?!

In ihrem neuesten Stück nimmt sich die vielfach ausgezeichnete Autorin Sibylle Berg der Gemütslage des deutschen (männlichen?) Mittelstands an. Gewohnt pointiert und böse-komisch lässt sie ihren Protagonisten über den Zustand unserer Gesellschaft klagen und führt uns die Funktionsweisen populistischen Denkens vor. Ihm zugesellt ist ein „Chor des gesunden Menschenverstandes“, der sich über alles und jeden empört, der schnell die Schuldigen am Schicksal des durchschnittlichen Verlierers findet, und immer ungemütlichere Gedanken entwickelt.

Aufführungsdauer: 1 Stunde und 25 Minuten, keine Pause

Bilder-Galerie


PRESSESTIMMEN

"Das ist ein wildes Spektakel." Fränkischer Tag

"... ein Stück, das den Zuschauer berührt." Ottfried

Regie Niklas Ritter
Bühne und Kostüme Bernd Schneider
Musik Jan Kersjes
Dramaturgie Olivier Garofalo