nach Hannah Arendt

Die Banalität des Bösen

Premiere am 12. März 2021

Eine Einführung findet eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn statt.

Hannah Arendts Buch über den Prozess gegen Adolf Eichmann hat weltweit große Empörung ausgelöst, vor allem in jüdischen Kreisen. Sie hat ihr Buch im Untertitel "Ein Bericht von der Banalität des Bösen" genannt, weil sie befand, dass Eichmann zweifellos einer der "größten Verbrecher" seiner Zeit gewesen sei und gleichzeitig ein "Hanswurst". Sie attestierte ihm die vollkommene Unfähigkeit, sich in die Perspektive des anderen hineinzuversetzen. Er sei "schier gedankenlos", "realitätsfern" und ohne Fantasie, jemand, dem man "beim besten Willen keine teuflisch­dämonische Tiefe abgewinnen" könne. Er sei ein neuer Verbrechertypus, der von einer "Ideologie der Sachlichkeit" durchdrungen war, die die vollständige Zerstörung jeglichen Urteilsver­mögens, jeglichen lebendigen Denkens einschloss. Und diese Zerstörung des Denkens sei in der Theorie des Antisemitismus bereits angelegt. Von ihren Kritikern wird ihr bis heute vorgeworfen, dass sie einem Theaterspiel Eichmanns im Prozess auf den Leim gegangen sei, weil sie seine Selbstäußerungen (die sog. "Sassen­Protokolle") nicht kannte, in denen er sich als eifriger und wohlüberlegter Überzeugungstäter darstellt. Nichtsdestotrotz hat sie der Nachwelt mit der "Banalität des Bösen" eine Denkfigur hinterlassen, die bis heute diskutiert und angewendet wird und die immer auch mit einem leidenschaftlichen Appell für politische Wachsamkeit und politisches Engagement verbunden ist.

Dem "beispiellosen industriellen Massenmord" an den europäischen Juden ist Arendt selbst durch einen glücklichen Zufall und Flucht entkommen. "... das wirklich Böse ist das, was bei uns sprachloses Entsetzen verursacht, wenn wir nichts anderes mehr sagen können als: Dies hätte nie geschehen dürfen." Ausgehend von ihren Schriften zum "Bösen" wollen wir uns mit der großen Denkerin des 20 . Jahrhun­derts auf der Bühne beschäftigen.