Ödön von Horváth

Kasimir und Karoline

Premiere am 07. Mai 2021 | Volksstück

Eine Einführung findet eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn statt.

Aufs Oktoberfest wollte Kasimir eigentlich gar nicht mitgehen. "Gestern abgebaut und morgen stempeln, aber heut sich amüsieren." Seine Karoline hat gut lachen, sie hat noch Arbeit in einem Büro, sogar pensionsberechtigt. "Vielleicht sind wir zu schwer füreinander?", fragt sie sehnsuchtsvoll dem Zeppelin nachschauend, der über die Wiesn fliegt, und geht zum Eismann. Dort steht der Schürzinger, vielleicht eine gute Partie so ein Zuschneider. Karoline lässt sich treiben auf dem Fest, sie spielt und rei­tet und trinkt - auch mit den zwielichtigen Herren Rauch und Speer, aus gehobenen Kreisen, die sie einfach nur flachlegen wollen. Zwielichtig auch der Merkl Franz und seine Erna, die dem Kasimir jetzt beistehen. Wird ein Mann arbeitslos, "dann lässt die Liebe der Frau nach und zwar automatisch", weiß Kasimir, da hilft auch nicht, dass Karoline das Gegenteil behauptet. Mit Kommerzienrat Rauch will sie nun nach Alt­ötting und hoch hinaus. Schürzinger macht Platz, ist Rauch doch sein Chef und jeder hat schließlich seinen Preis. Erna bittet ihren Merkl Franz, den Kasimir in keine krummen Dinger zu verwickeln, als Franz selbst wegen Autodiebstahls ins Zuchthaus gebracht wird. Sie singen und trinken und paaren sich neu, denn "die Liebe höret nimmer auf".

Ödön von Horváth hat sein Stück unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise 1929 ge­schrieben. "Als mein Stück 1932 in Berlin uraufgeführt wurde, schrieb fast die gesam­te Presse, es wäre eine Satire auf München und auf das dortige Oktoberfest - ich muss es nicht betonen, dass dies eine völlige Verkennung meiner Absichten war, eine Verwechslung von Schauplatz und Inhalt; es ist überhaupt keine Satire, es ist die Ballade vom arbeitslosen Chauffeur Kasimir und seiner Braut mit der Ambition, eine Ballade voll stiller Trauer, gemildert durch Humor ..."