Thomas Köck

Paradies

Fluten | Hungern | Spielen

KLIMATRILOGIE 

Premiere am 31. Oktober 2020

Wie leben Menschen in einer Welt, die ausschließlich der Logik eines stetig wachsen­ den Marktes folgt? Die Geschichte einer Familie von Wendeverlierern in Ostdeutsch­land erzählt exemplarisch vom globalen Siegeszug des Kapitalismus und seiner nach dem Fall der Mauer nun grenzenlosen Gierdynamik. Der Vater will in der neuen Zeit der Glücksritter als selbstständiger "freier mechanikermensch" mit seiner Autowerkstatt einen Teil vom Kuchen, die Mutter sieht hellsichtig das Scheitern voraus, die Tochter wird irgendwann das wenige Ersparte der Eltern zur Finanzierung ihres prekären Lebens als freiberufliche Tänzerin verbrauchen. Es wird ferner erzählt vom Kautschuk­boom in Brasilien am Ende des 19 . Jahrhunderts, dem ganze Landstriche und Völker zum Opfer fielen. Nach den Segeln der christlichen Seefahrt, mit denen die Globalisie­rung begann, kamen die Gummi­-Reifen, in jüngerer Zeit die Container: "Es reisen um die Welt die Waren." Und: es reisen um die Welt die Viren! Es folgt die Geschichte eines chinesischen Paares, das sich mit dem Zug auf den weiten Weg von Henan Zhengzhou nach Italien aufmacht, nur um dort in einer chinesischen Nähfabrik dieselben grauen­vollen Arbeitsbedingungen vorzufinden wie in China. Und es wird erzählt von einer Handvoll Reisender "im ewigen ICE der spätmoderne", in einer menschlichen Ewig­keitskomödie, die sich aus Alltäglichem speist. Sie rasen durch eine vereiste Welt, bis es zum Knall kommt.

Der Klimawandel ist in der Trilogie nicht vordergrün­dig als Wetterentwicklung beschrieben, sondern es wird das Klima als Ergebnis unseres kapitalistischen Wirtschaftens anhand von mal traurigen, mal komi­schen, aber immer berührenden Menschengeschich­ten erzählt. Thomas Köck wurde für sein noch junges Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u .a. zweimal mit dem Mülheimer Dramatikerpreis und dem Literaturpreis "Text & Sprache".