Mark Ravenhill

Der Stock

DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG

Premiere am 04. Dezember 2020 

Premiere | Fr 04.12.20 | 20:00 Uhr

Bitte Termin wählen...
Karte kaufen

Edward steht kurz vor der Pensionierung als Lehrer, doch es formiert sich Protest, der den salbungsvollen Abgang verhindert: Vor dem Haus skandieren die Schüler*innen und werfen mit einem Stein die Fensterscheibe ein. Die Kinder haben herausgefun­den, dass Edward früher Jungen mit dem Stock gezüchtigt hat. Schnelle Schläge aus dem richtigen Winkel, damit die Haut nicht aufplatzt. Alles dokumentiert, von den Eltern der Jungen erlaubt und vom Direktor gegengezeichnet. Es war damals so. Heute ist es anders.

Edwards Tochter Anna konfrontiert den Vater mit seiner Schuld. Sie, die beruflich dafür sorgt, dass vor allem solche wie Edwards Schulen privatisiert werden, sorgt für einen heftigen Streit. Anna attestiert der heutigen Generation ein "viel schärferes Bewusstsein für Themen wie Zwang, Übergriffigkeit, Gewalt", Mutter Maureen hält die Schüler*innen für "verzärtelt", Edward mutmaßt, dass er vielleicht "das Opfer von zu vielen dummen Frauen" ist. Die sich vermeintlich sorgende Mutter, die neoliberale Tochter und der alternde Patriarch im drohenden Bedeutungsverlust liefern sich einen Schlagabtausch, der den Generationenkonflikt ebenso offenbart wie die dysfunktionalen Familiengeflechte. Keiner ist bereit, seinen Standpunkt zu verlassen, ob aus wahrer Überzeugung oder bloßem Opportunismus den Familienmit­gliedern gegenüber, ist nicht auszumachen.

Mark Ravenhill gehört zu den britischen Theaterautor*innen, die sich nicht vor Härten und Abgründen scheuen. In "Der Stock" kommt durch die gnadenlos­bissigen Dialoge der Kern der Debatte um Machtmissbrauch zum Vorschein, althergebrachte Auf­fassungen zerbrechen an den Anforderungen der Gegenwart, politische Überzeugungen reichen weit ins Private hinein, sind dort vielleicht erwachsen und unauflösbar.

Regie Matthias Köhler
Bühne und Kostüme Ran Chai Bar-zvi
Dramaturgie Victoria Weich