Roland Schimmelpfennig

Der Riss durch die Welt

Premiere am 19. März 2021 | 170 Fragmente einer gescheiterten Unterhaltung

Eine Einführung findet eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn statt.

Viel Glas, altes Holz, ein toller Ausblick; innen große moderne Bilder und indianische Masken, überall Bücher; außen ein riesiger Garten und Rehe, die darin weiden - hier leben Sue und Tom und schwimmen im Geld. Sie bekommen Besuch von der jungen Künstlerin Sophia und ihrem noch jüngeren Mitbringsel Jared.

Das soziale Unten der Großstadthipster trifft auf arrivierte Großspurigkeit. Auf der einen Seite Komplexe der niederen Klasse, die sich im Scherz selbst herabsetzt, auf der anderen Seite die selbstgefällige Sicherheit des ahnungslosen, reichen Millionärs. Sich gegenseitig begehrend und verachtend ist vorherbestimmt, dass diese Abend­gesellschaft in einer Katastrophe enden wird. Sophia schwört das Bild eines Flusses herauf voller Blut, Müll und Kadaver, der sich durch die Landschaft schneidet. Es steht zwischen ihnen und wälzt sich brennend ins Bewusstsein der Beteiligten.

Wie in Fieberfantasien werden sie von den biblischen Plagen heimgesucht: Tosender Hagel schlägt gegen die Scheiben, eine Kröte krabbelt in Sues Mund, Sophia und Jared sind von Pocken übersät. Die einstudierte Besuchsperformance zerfällt und der soziale Sprengsatz der Begegnung bricht sich seine metaphysische Bahn. Ein Glas zerspringt. Rasch muss die Haushälterin die Scherben aufkehren, damit der Riss über­sprungen werden kann.

Roland Schimmelpfennig gehört zu den meistgespielten Gegenwartsdramatikern im deutschsprachigen Raum. Er erhielt 2010 den Mülheimer Dramatikerpreis, sein Ro­mandebüt wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. "Der Riss durch die Welt" ist sein neustes Stück, in dem Schimmelpfennig seine Figuren mit einem göttlichen Fingerschnipsen rasant von Champagnerlaune in apokalyptische Düs­ternis springen lässt.

Regie Sibylle Broll-Pape
Bühne und Kostüme Trixy Royeck
Dramaturgie Victoria Weich