Rainald Goetz

Reich des Todes

B I L D E R - G A L E R I E

Eine Einführung findet eine halbe Stunde vor Stückbeginn statt.

Eine Audio-Einführung zum Stück durch die Produktionsdramaturgin Petra Schiller können Sie sich auch hier anhören.

20 Jahre ist es her, dass die Welt von den mächtigen Bildern der einstürzenden Türme des World Trade Centers schockiert wurde. 20 Jahre nach 9/11 ist Rainald Goetz neustes Stück "Reich des Todes" ein Nachdenken über die abgründigen und düsteren Folgen für die westliche Demokratie, die bis heute wirken.

Unverzüglich wurde damals von der Administration George W. Bush der "Krieg gegen den Terror" ausgerufen und damit eine Maschinerie in Gang gesetzt, die entscheidende demokratische Grundwerte in Frage gestellt und allgemeine Bürgerrechte, wenn nicht außer Kraft gesetzt, dann mindestens nachhaltig eingeschränkt hat. Dabei wurden nicht nur Überwachungsmaßnahmen legitimiert, sondern weltweit rechtsfreie Räume in Gefängnissen außerhalb der USA etabliert, in denen als Terroristen eingestufte Gefangene gefoltert und ohne jegliches Verfahren inhaftiert wurden. Nicht zuletzt wurde der völkerrechtswidrige Krieg gegen den Irak in diesem Zusammenhang begründet, mit katastrophalen Folgen für das auch 2021 noch vollkommen zerstörte Land und für den gesamten Nahen Osten. Es sind die grausamen Bilder der von US-Soldaten misshandelten arabischen Häftlinge aus dem Foltergefängnis Abu Ghraib im besiegten Irak, die die moralische Glaubwürdigkeit des Westens fundamental und weltweit erschüttert haben.

Wie in einem großen Shakespeare'schen Königsdrama lässt Goetz seine Figuren die Abgründe durchschreiten, in denen sich Demokratie in zerstörerische Autokratie wandelt. Dabei zählt er die realen Vorbilder Bush, Cheney, Rumsfeld, Rice unter der Überschrift "Hades" nur auf, lässt an ihrer statt Figuren mit deutschen Namen und deutscher Geschichte agieren und weitet so den Blick ins Absurde und Globale: sie heißen Roon, preußischer Kriegsminister des 19 . Jahrhunderts, Kelsen, Verfassungsrechtler der Weimarer Republik, Schill, ehemaliger "Richter Gnadenlos" und Innensenator in Hamburg. Es sind keine realistischen Figuren, sondern dunkel-grelle Gestalten, die in einem "Beberaum" ihr beunruhigendes "Techno-Theater" aufführen.

Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden und 50 Minuten, eine Pause

Im Anschluss an die Vorstellung am 05.11. findet in der TREFFBAR ein Nachgespräch mit der Kulturwissenschaftlerin Dr. Georgina Banita und der Leitenden Dramaturgin Petra Schiller statt.

Hinweis: Bei dieser Inszenierung kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz.

Mit freundlicher Unterstützung des Theatervereins 

Regie Sibylle Broll-Pape
Bühne, Kostüme und Video Trixy Royeck
Dramaturgie Remsi Al Khalisi
Dramaturgie Petra Schiller
Selch, Vizepräsident Stephan Ullrich
Pinsk, Privatsekretär / Braum, Obergefreieter Anton Dreger
Dr. Banzhaf, Chefjustiziar / Eve, Soldat Ansgar Sauren
Thurgau, Geheimdienstdirektor / Atta, Gefangener Stefan Herrmann
Fr von Ade, Sicherheitsberaterin / Darkova, Brigadegeneral Ewa Rataj
Grotten, Präsident Florian Walter
Roon, Kriegsminister Oliver Niemeier
Mrs Grotten, Ehefrau / Dr Kelsen, Oberjustizrat Magdalena Helmig
Dr Schill, Justizrat / Engel Daniel Seniuk
Sebald, Justizminister / Cindy, Wachsoldat Lara Heller

Pressestimmen

"Das Bamberger Theater ist erst das dritte, das „Reich des Todes“ auf die Bühne bringt. Das kündet von künstlerischer Ambition und einem guten Ruf, den sich das Haus bei der Inszenierung zeitgenössischer Stoffe erarbeitet hat." (Fränkischer Tag)

10. Oktober 2021

Und doch entfaltet sich das wahre Grauen erst im Monolog des gefolterten Atta (Stefan Herrmann) [...] Diese Minuten waren die wahrhaftigsten des gesamten Abends. Stille im sonst oft grell-lauten Stück. Nie war die Sprache von Goetz so klar und intuitiv."

10. Oktober 2021

"In den dichten Schlussapplaus hinein sprang Rainald Goetz auf die Bühne. Bomberjacke, Jeans, weißes Hemd. Er spendete der Regie und den Schauspielern seinen Applaus." (Fränkischer Tag)

10. Oktober 2021

"Mit Reich des Todes bringt das ETA Hoffmann Theater ein unglaublich intensives, unbequemes, spektakuläres und wichtiges Stück zum 20. Jahrestag des 11. Septembers auf die Bühne." (Rezensöhnchen)

25. Oktober 2021

"Ein Monolog, den ich an dieser Stelle hervorheben möchte, ist Stefan Hermanns fantastische Performance in der Rolle des Gefangenen, der sehr eindrücklich beschreibt, wie er gefoltert wird. Diese Szene ist hart, schmerzhaft, emotional und unfassbar eindrucksvoll. Es ist ohne Frage die große Stärke des Stückes, die Bilder zu zeigen, Folter nachzustellen und so lebensecht zu beschreiben, dass man nichts anderes als Erschütterung fühlen kann." (Rezensöhnchen)

25. Oktober 2021