Ödön von Horváth

Jugend ohne Gott

Premiere am 6. März 2020

Eine Einführung findet eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn statt.

Im nationalsozialistischen Deutschland vor Kriegsbeginn ist die öffentliche Meinung, und auch das, was man im Privaten sagen darf, durch Erlasse, Propaganda und soziale Kontrolle beeinflusst und reglementiert. Eigene Gedanken auszusprechen, die in den gleichgeschalteten Medien nicht vertreten werden, ist Vaterlandsverrat. Ein Lehrer sieht sich der regimetreuen, menschenfeindlichen Haltung seiner Schüler ausgesetzt. Mit 14 Jahren haben sie bewusst kaum ein anderes als das Deutschland Hitlers kennengelernt; verroht, ohne inneren moralischen Kompass und zu Hass bereit, sitzen sie auf der Schulbank. Der Lehrer lässt eine humanistische Bemerkung fallen und prompt werden die Fronten in der Klasse abgesteckt: Der Lehrer wird von den Jungen diffamiert, er spürt ihre berechnende Ablehnung. Der Gesinnungskonflikt eskaliert, als im Osterlager erst Wertgegenstände und dann der Schüler N verschwinden. Seine Leiche wird in einer Waldhöhle gefunden. Der Lehrer weiß mehr, als er vorgibt, und macht sich schuldig, verwoben in ein Netz aus Lügen spürt er, dass er selbst zu der Gesellschaft gehört, die von Gott und damit auch von der Wahrheit verlassen wurde. Erst als er sich dazu durchringt, seine kleingeistigen Abhängigkeiten zu Gunsten einer eigenen Haltung aufzugeben, wird klar, wer der Täter ist.

In Ödön von Horváths Roman "Jugend ohne Gott" offenbart sich der schmale Grat zwischen schweigendem Beobachten und der eigenen Verantwortung, der in einer Gesellschaft, in der sich gegenseitige Verachtung, Ausgrenzung und Misstrauen ausgebreitet haben, zum Grat zwischen Gut und Böse wird. Horváths Roman wurde kurz nach seinem Erscheinen 1937 von den Nazis verboten. Heute ist er in seiner analytischen, literarischen Kraft eine andauernde Ermutigung, der eigenen und gesellschaftlichen Verrohung eine Absage zu erteilen.

Regie Elsa-Sophie Jach
Bühne und Kostüme Johanna Stenzel
Dramaturgie Victoria Weich