Ödön von Horváth

Zur schönen Aussicht

50 Jahre CALDERÓN-SPIELE

Die "besseren Zeiten", die sind längst passé – "Zur schönen Aussicht", das war einmal. Das gleichnamige Hotel ist marode und verstaubt. Der Zahn der Zeit nagt nicht nur am vergilbten Mobiliar, sondern auch am Personal: So fristet der abgehalfterte Schauspieler Strasser inzwischen sein Dasein als Hoteldirektor neben dem kleinkriminellen Kellner Max und dem zwielichtigen Chauffeur Karl am Rande eines Dorfes irgendwo in Mitteleuropa. Die Saison läuft schlecht. Krise, wohin man sieht. Und so sind sie allesamt abhängig vom einzigen zahlenden Dauergast, der Baronin Ada Freifrau von Stetten, einem "aufgebügelten, verdorrten weiblichen Wesen mit Torschlusspanik", die ihre Liquidität gekonnt im Austausch gegen explizite Gefälligkeiten zu nutzen weiß. Allesamt fühlen sie sich vom Leben betrogen und trinken sich selbiges nun mit den letzten Alkoholreserven gemeinsam schön. Gestört wird dieses eigentümliche Idyll an Stagnation und Apathie, als Vertreter Müller die offene Spirituosenrechnung beglichen haben will und die junge Christine auftaucht und ihrem Ex-Geliebten Strasser vom gemeinsamen Kind erzählt. Die Männer verbünden sich gegen Christine, denn die ist doch sicher nur auf Alimente aus!
Als jedoch bekannt wird, dass sie selbst zu Geld gekommen ist, wendet sich das Blatt. Jeder ist sich selbst der Nächste, um Christine – und ihr Vermögen – wird gebuhlt, als ob es kein Morgen gäbe. Es entspinnt sich ein irrwitziger Machtkampf um ihre Gunst, eitle Hahnenkämpfe inbegriffen.


Ödön von Horváths Komödie zeigt den grotesken Alltag einer Gesellschaft von Einzelkämpfer*innen, die in einer Zweckgemeinschaft miteinander verbunden sind. Regisseurin Susi Weber, die zuletzt in Bamberg „Brandner Kaspar“ inszenierte, enthüllt vor malerischer Kulisse in der alten Hofhaltung, dass trotz allem hinter den starren Fassaden eines jeden Einzelnen die große Sehnsucht nach einem anderen Leben steckt

Regie Susi Weber
Bühne und Kostüme Luis Graninger
Dramaturgie Petra Schiller