Konstantin Küspert

fort schreiten

URAUFFÜHRUNG 

Premiere am 24. Januar 2020 | Auftragswerk

Eine Einführung findet eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn statt.

Prometheus brachte den Menschen durch eine List das Feuer von den Göttern und damit den entscheidenden Anschub zu zivilisatorischem Fortschritt. Das Feuer ermöglicht Wärme, das Kochen, Helligkeit, das Schmieden von Metallen und es stiftet als Ort, um den sich versammelt und erzählt wird, Gemeinschaft und Kultur. Seine zerstörerische Kraft zeigt auch, dass der Fortschrittsgedanke immer zweischneidig sowohl Hoffnung auf ein besseres Leben als auch Warnung vor der Katastrophe ist. Für Karl Marx war Prometheus der Rebell gegen die Götter, der den Menschen ihren Weg aus Not und Elend gezeigt hat. Mary Shelley betitelte ihren Frankenstein als modernen Prometheus, der sich in seiner Anmaßung zum gottgleichen Schöpfer aufschwingen wollte und in Leichenteilen wühlend nur das grausige Abbild eines Menschen schaffen konnte. Die Frage, ob es die Genforschung ermöglichen wird, den Erbguttext nicht nur zu lesen, sondern ihn auch vollständig neu zu schreiben, ist eng mit der Zwiespältigkeit der Fortschrittsgeschichte verbunden. Werden Roboter irgendwann die überlegenen Geschöpfe? Wird Künstliche Intelligenz die menschenvernichtende Weltherrschaft übernehmen? Oder wird sie uns ins technologische Elysium führen, in eine Zeit ohne Armut, Verkehrstote, Hunger, Krieg oder Klimakatastrophen? Können lernende Systeme den Sprung ins Bewusstsein vollziehen? Wenn Werterfahrungen digital nicht abbildbar sind, dann kann eine KI an so komplizierten Kategorien wie zum Beispiel "gemütlich" wohl scheitern.

Konstantin Küspert wird in seinem 4. Stückauftrag für das Bamberger Theater darüber spielerisch phantasieren, wohin uns der Fortschrittsglaube tragen wird, welche ethischen Konflikte durch technische Entwicklungen neu zu denken sind, was Menschen lernen müssen, um sich überhaupt erst zum Souverän des Zukünftigen ausbilden zu können.

Regie Sibylle Broll-Pape
Bühne und Kostüme Trixy Royeck
Dramaturgie Remsi Al Khalisi