Branden Jacobs-Jenkins

Appropriate

DEUTSCH VON CHRISTINE RICHTER-NILSSON / BO MAGNUS NILSSON

Wie kann eine Gesellschaft, die so zerrissen ist wie die US-amerikanische, noch zusammenhalten? Vor allem aber: Welchen Gespenstern aus der Zeit der "Rassentrennung" muss sie sich heute stellen?
Vor diesen Fragen steht die Familie des verstorbenen Patriarchen Lafayette, als sie nach der Beerdigung sein Anwesen in den Südstaaten versteigern lassen will. Das Haus muss jedoch vor dem Verkauf erst einmal gründlich entrümpelt werden. Und die drei Geschwister Frank, der sich jetzt "Franz" nennt, Bo und Toni müssen sich gezwungenermaßen einigen, wie mit dem Erbe umzugehen ist. Zudem befindet sich in direkter Nachbarschaft ein Friedhof, der den Immobilienwert mindert. Spukt es vielleicht auch in ihrem Elternhaus?
Dass der trockene Alkoholiker Franz nach zehn Jahren das erste Mal wieder nach Hause kommt, überrascht seinen Bruder und seine Schwester – sie hatten damit gerechnet, das Erbe unter sich aufteilen zu können. Bevor jedoch die finanziellen Fragen ansatzweise geklärt werden können, taucht ein Fotoalbum mit Bildern von Lynchmorden an Schwarzen auf: Der Besitz beruht auf Sklaverei und Ausbeutung. Die Familiengeschichte bekommt eine bizarre und rassistische Note. Was soll mit den Fotografien geschehen? Sind sie vielleicht Geld wert und so die Rettung aus der Krise? Oder gehören sie eher als historische Zeugnisse ins Museum? Und vor allem: Sollen die Kinder sie zu Gesicht bekommen?


Der 1984 geborene Autor Branden Jacobs-Jenkins hat ein Familiendrama geschrieben, das sich wie eine Mischung aus Tennessee Williams und Henrik Ibsen liest. Jacobs-Jenkins gewann mit seinen Stücken
"An Octoroon und "Appropriate" die Obie Awards für das beste Stück, mit seinem Stück "Gloria" war er
2016 für den Pulitzer Prize for Drama nominiert. "Appropriate" wurde 2013 gleichzeitig in Chicago und
Louisville (Kentucky) uraufgeführt und gehört zu seinen erfolgreichsten Stücken.

Regie Sibylle Broll-Pape
Bühne und Kostüme Rainer Sinell
Dramaturgie Armin Breidenbach