nach E.T.A. Hoffmann

Sandmann

IN EINER BEARBEITUNG VON HANNES WEILER

E.T.A.-Hoffmann-Jubiläum 2022

Premiere 20. März 2022

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B I L D E R - G A L E R I E

Eine Einführung findet eine halbe Stunde vor Stückbeginn statt.

Die Audio-Einführung in das Stück durch die Produktionsdramaturgin Petra Schiller können Sie sich hier anhören.

In die Erscheinung der schönen Olimpia verliebt sich der Student Nathanael und vergisst darüber seine Verlobte Clara. Clara hatte ihm mit klugem Verstand und sachlicher Argumentation dargelegt, dass er in der Begegnung mit dem Wetterglashändler Coppola nicht auf den Augen ausreißenden Sandmann aus kindlichem Schauermärchen getroffen ist, dass es vielmehr ein Zufall sei, wenn Coppola dem Advokaten Coppelius ähnelte, mit dem Nathanaels Vater einst alchimistische Experimente gemacht hatte, und dass schließlich die Erinnerung an den traumatischen Verlust seines Vaters ihn Furcht und Wirklichkeit nur zusammendenken ließe. Als Nathanael, sehr zu ihrem Verdruss, ihr wieder einmal eine seiner vielen dunklen Dichtungen vorliest, fragt er sich, ob Clara überhaupt in der Lage ist, seine Gedanken- und Gefühlstiefe nachzuempfinden, und schimpft sie einen "leblosen Automaten". Wie anders ist seine Begegnung mit Olimpia, die ihn mit nur sehr wenigen Worten ("Ach! Ach!"), seltsam fernem Blick und fast zu perfekten Bewegungen tief in ihren Bann zieht. Bis der Glashändler Coppola nicht nur Olimpias Augen blutig für sich beansprucht und die schlimmsten Alpträume der Kindheit mit Wucht in die Welt treten.

"Der Sandmann" aus der Sammlung der "Nachtstücke" hat Dichter wie Poe, Dickens, Dostojewski und Gogol beeinflusst. E.T.A. Hoffmann inszeniert darin nicht nur einmal mehr den Grenzbereich zwischen Wahn und Wirklichkeit, sondern mit dem Motiv des Automatenmenschen die Urangst vor Künstlich-Lebendigem und als humorvolles Nebenbei: wie sich ein Mann nur von der eigenen Projektion tief verstanden fühlt.

Aufführungsdauer: 1 Stunde und 20 Minuten, keine Pause

Regie Hannes Weiler
Bühne und Kostüme Florian Dietrich
Dramaturgie Petra Schiller

Pressestimmen

Der Dämon Coppelius erscheint in der gelungensten Passage dieses „Sandmanns“: als blutrot verfremdete (Alp-)Traumgestalt einer Einspielung in der Manier expressionistischer Filmkunst der 1920er Jahre, so à la F. W. Murnau (Video ebenfalls Hannes Weiler). (Fränkischer Tag)

25. März 2022

Die Produktion hat einen Touch lustvoll selbstgenügsamen Theaterspiels. Wer die Stimme Hoffmanns hören und seine Geschichte erzählt bekommen will, ist fehl am Platz. Aber wer Lust dazu hat, sich auf das assoziative, spielerische, manchmal sogar hintersinnige Ausspinnen Hoffmann’scher Gedankenfäden einzulassen, mag den Abend mit Gewinn besuchen. (Der neue Merker)

24. April 2022

Die Introduktion ist denkwürdig und sofort ein virtuoser Bühnen-Höhepunkt, wenn die vier Darsteller, Daniel Dietrich, Stefan Herrmann, Clara Kroneck und Eric Wehlan auf der Suche nach einer Kohle sind (Nathanael zeichnet Wahngebilde mit Kohle) und sich in den sprachlichen Verwicklungen direkt und indirekt zitierter Rede verheddern, bis niemand mehr genau weiß, worum es eigentlich geht. Ein gelungenes Sprachkonstrukt, das Hoffmanns Technik der Verunklarung durch Verschiebung der Bedeutungen und des Kontextes virtuos aufgreift. (Der neue Merker)

24. April 2022