Johann Wolfgang Goethe

Faust 1in2

Eröffnungspremiere | Fr 11.10.19 | 19:30 Uhr | GROSSES HAUS

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Eine Einführung findet eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn statt.

"Im Weiterschreiten find er Qual und Glück", resümiert Faust am Ende der Tragödie zweiter Teil über sich als "Tüchtigen". Das Geklirr der Spaten, die sein Grab ausheben, hält der Erblindete in ungebrochenem Fortschrittseifer für das Gewusel der Arbeiter seines zukunftsweisenden Landgewinnungsprojekts. Faust glaubt nicht an jenseitige Belohnung, sondern will im Hier und Jetzt den Kosmos der Möglichkeiten ausschreiten. Die Welt als totales "Sofort", das Leben als letzte Gelegenheit für alles. In dieser Logik und mit dem "Fluch vor allen der Geduld!" verschreibt sich Faust dem Teufel, wenn der ihn zum "Augenblicke" sagen machen könne: "verweile doch, du bist so schön". Mephisto "schleppt" Faust "durch das wilde Leben", durch die "flache Unbedeutenheit" rasant abwechselnder Bildwelten: zu Walpurgisnächten, zur Kindfrau Gretchen, zur aus dem Mythos herbeizitierten "Schönen Helena", zu alten Kriegen. Am "kaiserlichen Hof" erfindet Mephisto das Papiergeld und den Teufelskreis des modernen Finanzkapitalismus. Der Famulus Wagner erschafft im Labor den künstlichen Menschen Homunculus. Und Faust will dem Meer das Land abtrotzen: "Was ich gedacht, ich eil' es zu vollbringen." Im Furor des Machbaren muss dafür das greise Paar Philemon und Baucis, müssen Besinnung, Innehalten, Geschichtsbewusstsein, kulturelle Kontinuität, schlicht das Alte barbarisch entsorgt werden.

Faust 1 ist der Tragödie bekannterer, Faust 2 vielleicht der Tragödie brisanterer Teil, denn Goethe hat darin die Herausforderungen unserer Tage hellsichtig und dunkel zugleich vorgezeichnet: Krieg, Korruption, Naturzerstörung, Wirtschaftsturbulenzen. In dem überreichen Text lässt sich der Ausblick auf eine globale Beschleunigung aller Lebensbereiche, auf Big Data, Gentechnik und KI herauslesen und die ewige Frage, "was die Welt im Innersten zusammenhält", auch für das 21. Jahrhundert stellen.

Regie Sibylle Broll-Pape
Bühne und Kostüme Trixy Royeck
Musik Daniel Klein
Video Lea Heutelbeck
Dramaturgie Remsi Al Khalisi
Faust Stephan Ullrich
Mephistopheles Eric Wehlan
Margarete, Heermeister, Sphinx, Erzischof, Schuld u.a. Anne Weise
Marthe, Sphinx, Dryas, Proteus, Phorkyade, Haltefest, Baucis, Sorge u.a. Ewa Rataj
Schatzmeister, Herold, Wagner, Meerkatze, Thales, Helena, Raufebold, Wanderer, Not u.a. Carlotta Freyer
Erdgeist, Marschalk, Schüler, Baccalaureus, Meerkatze, Chiron, Phorkyade, Obergeneral, Lynkeus, Mangel u.a. Clara Kroneck
Kaiser, Humunculus, Philemon u.a. Stefan Herrmann
Kanzler, Knabe Lenker, Paris, Meerkatze, Anaxagoras, Euphorion, Phorkyade, Habebald u.a. Denis Grafe