Philipp Gärtner

Gold

B I L D E R - G A L E R I E

Eine Einführung findet eine halbe Stunde vor Stückbeginn statt.

Die Audio-Einführung in das Stück durch die Produktionsdramaturgin Victoria Weich können Sie sich hier anhören.

Tildas short way down beginnt mit einem Fahrradunfall. Es folgen Post vom Amtsge­richt, WG­-Rausschmiss und entwürdigende Stunden in einem Internetcafé. Zum Glück beendet plötzlich einsetzender Goldklumpenregen ihr deprimierendes Dasein im Co­-Working­-Space­-Prekariat. Gerade als der Kaufhausdetektiv sie fälschlicherweise überführen will, wird er erschlagen und Tilda bringt sich in der Kanalisation in Sicher­heit. Dort ist sie nicht allein. Sandra hat der Oberfläche den Rücken zugekehrt und von dem Goldregen nichts mitbekommen. Natürlich ist es verrückt, lieber im feuchten und stinkenden Untergrund zu leben, aber "wenn man davon überzeugt ist, dass das Getriebe einer durch weiße Überlegenheitsphantasmata geprägte, disableistischen, hetero/cissexistischen patriarchalen, imperialistisch­kapitalistischen Kultur an sich pervers ist", ist es nur folgerichtig, dieses Getriebe zu verlassen.

Die beiden Heldinnen können in eine grandiose Zukunft blicken: Alles, was Sandra verabscheut und Tilda in den Ruin getrieben hat, ist kaputt. Sie bewegen sich unten aufeinander zu, während oben der absolute Ausnahmezustand herrscht und alle, auch der Pizzalieferant, die Maklerin, Nissan und Mazda und Tildas Hochstaplervater, heiter ums Überleben kämpfen.

In "Gold" geht der Spätkapitalismus märchenhaft unter. Wo Sterntaler noch friedlich ihr Nachthemd aufhalten konnte, bringt das Gold Tod und Verderben unter die Menschen. Doch in der brutalen Apokalypse steckt die Poesie der Zerstörung. Der reinigende Goldregen könnte Gleichheit schaffen, man könnte von vorne anfangen. Philipp Gärtner legt mit "Gold" ein fulminantes De­butstück vor. Der 1986 geborene Autor studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin, ist freier Autor und Regisseur und Teil des Leitungskollektivs des Berliner Ringtheaters.

Aufführungsdauer: 1 Stunde und 40 Minuten, keine Pause

Regie Wilke Weermann
Bühne und Kostüme Johanna Stenzel
Sounddesign Constantin John
Dramaturgie Victoria Weich

Pressestimmen

Wenn eine theatralisch zugespitzte Vermessung unserer Gegenwart, dann so wie in „Gold“: mit Wortwitz und Sinn für die eigenen blinden Flecken, mit Esprit und einem gut aufgelegten Ensemble. (Fränkischer Tag)

15. Oktober 2021

Ausstatterin Johanna Stenzel hat dazu einen hübsch dekadenten Salon eingerichtet, wo nicht nur, frei nach Nicolas Poussin, auf dem triptychonartig eingefassten Prospekt ums goldene Kalb getanzt wird, sondern auch davor. Links drei Bullaugen, rechts drei Arkadenbögen – der Eindruck, dass hier die Tempelherren und -damen der Titanic der materialistischen Erbsünde huldigen, drängt sich durchaus auf. Das glänzend zu fliegendem Rollenwechsel aufgelegte Ensemble (Antonia Bockelmann, Marie-Paulina Schendel, Eric Wehlan, Daniel Dietrich) hat sein Vergnügen daran. Ein Unterdeckschicksal wie das von Tilda (Clara Kroneck) wird hier glatt durchgereicht. Bis es eben Metallklumpen regnet. (Theater heute)

28. Dezember 2021

Ein Debüt, das sprüht vor Witz. (Theater heute)

28. Dezember 2021